Der Blutegel |
| Anatomie |
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Der medizinische Blutegel
(lat. Hirudo medicinalis)
ist als Ringelwurm mit dem
Regenwurm verwandt. Der
Blutegel hat einen ovalen
Querschnitt der sich an
den beiden Körperenden
verkleinert. An den beiden
Enden befindet sich
jeweils ein Saugnapf. Der
Saugnapf hinten, dient dem
Blutegel lediglich zum
Festhalten. Der Saugnapf
vorne beinhaltet die
Mundöffnung.
Im Mund liegen die 3 Kiefer die ca. 80 Kalkzähnchen haben. Die drei strahlenförmig angeordneten Kiefer haben ca 80 feine Kalkzähne. An jedem Saugnapf ist ein Nervenring. Der Körper ist abgeflacht und besteht aus 33 Segmenten. Der Rücken ist dunkelgrün und hat an beiden Seiten je 3 braune Längsstreifen. Der Blutegel besitzt kein Gehirn. Zum Überleben benötigt der Blutegel eine feuchte Umgebung, da er sonst austrocknen würde. In der Häutungszeit liegen Blutegel antriebslos am Grund. Falls es dem Blutegel in der Häutungszeit nicht gelingt die alte Haut abzustreifen, stirbt er. Im Wasser bewegt sich der Blutegel wie ein Delphin, an Land verwendet der Blutegel seine Saugnäpfe zur Fortbewegung. Der Blutegel überwacht im Wasser die Wasserbewegungen, an welchen er potentielle Opfer erkennt. |
| Vorkommen |
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"Blutegel benötigen
kalkarmes Süßwasser. Sie
leben bevorzugt in
Tümpeln, flachen Teichen
und Seen oder nur langsam
fließenden Gewässern mit
reichlichem Bewuchs von
Wasserpflanzen. Der Grund
muß so beschaffen sein,
daß sie sich im Winter in
frostfreie Tiefen
verkriechen können. Eine
Winterruhe im eigentlichen
Sinn halten sie nicht,sie
sind nur
temperaturabhängig mehr
oder weniger aktiv."(1) Der Blutegel steht heute wegen seines geringen Vorkommens in vielen Ländern unter Artenschutz. Die Gründe für das gering Vorkommen liegen einerseits in der starken Umweltverschmutzung und in der massenhaften Anwendung der Blutegeltherapie im 19ten Jahrhundert. |
| Fortpflanzung |
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Damit sich der Blutegel
Fortpflanzen kann, ist ein
gleich bleibender
Wasserstand notwendig. Als
zu den Zwittern gehörender
Wurm, befruchten sich die
Blutegel meist
gegenseitig. Die
Befruchtung findet
zwischen April bis Oktober
(je nach Temperatur)
statt. Der Blutegel legt
seine bis zu 30 Eier in
Kokons in die feuchte
Ufererde ab, um sie vor
dem Austrocknen zu
schützen. Innerhalb von 6
Wochen schlüpfen aus den
Eiern die jungen Blutegel
die zu diesem Zeitpunkt
ca. 16 mm lang sind. Zu
therapeutischen Zwecken,
können die Blutegel erst
nach ca. 4 Jahren
eingesetzt werden. Bei optimaler Haltung kann der Blutegel bis zu 20 Jahre alt werden. Ausgewachsen hat der Blutegel eine Länge bis zu 20 cm und ein Gewicht von bis zu 30 g. |
| Ernährung |
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Der junge Blutegel ernährt
sich vom Blut kleiner
Wassertiere wie z.B.
Frösche, Kröten oder
Fische. Die
Fortpflanzungsfähigkeit
des Blutegels verbessert
sich jedoch mit dem Blut
von warmblütigen Tieren.
Mit diesem Blut wird der
Blutegel früher
geschlechtsreif. Außerdem
legt der Blutegel damit
auch mehr Eier in seine
Kokons.
Einmal auf der Haut des Wirtes (=Opfer) angekommen, sucht der Blutegel eine geeignete Stelle zum Beißen. Mit dem Vorderende sucht er dabei tastend nach der geeigneten Bisstelle. Der hintere Saugnapf wird dabei fixiert. Wenn er die richtige Bisstelle noch nicht gefunden hat, wiederholt sich der Vorgang indem der hintere Saugnapf gelöst wird und anschließend in eine neue Position gebracht wird. Wenn der Blutegel die optimale Stelle gefunden hat, hält er sich mit dem hinteren Saugnapf in der Nähe der Bisstelle fest und beginnt sich mit seinem dreistrahligem Kiefer in die Haut zu sägen. Der Biss ist zum Vergleichen mit einem Insektenstich und somit ausgesprochen schmerzarm. Bis heute konnte nicht nachgewiesen werden ob der Blutegel dabei ein lokal wirksames Anästhetikum verwendet. Während des Saugvorganges scheidet der Blutegel ein Sekret in die Wunde ab. Durch die unter anderem histaminähnliche Substanz werden die Blutgefässe erweitert. Erleichtert wird das Saugen des Blutegels durch das Hirudin, welches er aus seinen Speicheldrüsen in die Wunde absondert. Das Hirudin hält das Blut flüssig, indem es die Blutgerinnung verhindert. Weiters haben im Sekret vorhandenen Substanzen wie Calin, Hyaluronidase, Egline, Kollagenase, Apyrase, Destabilase und Piyavit eine gerinnungs und entzündungshemmende Wirkung. Die Nahrungsaufnahme dauert ca. 30 Minuten. Dabei wird das Gewicht des Blutegels um ein Vielfaches erhöht. Sobald er satt ist lässt der Blutegel von selbst los. Die Wunde selbst blutet noch einige Stunden nach. Dadurch wird der Blutverlust verdoppelt bis verdreifacht. Nach dem Saugvorgang ist der Blutegel erst nach einer Woche wieder zu schlängelnden Schwimmbewegungen fähig. Der Blutegel selbst speichert das gesaugte Blut über Monate hinweg in seinem Magen und verdaut es innerhalb eines Zeitraumes von 1,5 Jahren.. Das Blut wird innerhalb eines Zeitraumes von 5 bis 18 Monaten verdaut. Allerdings ist der Blutegel bereits nach einigen Monaten wieder saugwillig. (1) Dr.med Ingo Wilhelm Müller - Handbuch der Blutegeltherapie (2000)
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